© CHRIStel 2003

Teil 1
ganz grundsätzlich
betrachtet

Teil 2
meine persönliche
Erlebnisebene

Teil 3
die persönliche
Einstellung

.
A
ngeblich soll jeder Junge irgendwann in seiner Kinderzeit und/oder in der ersten Zeit der Pubertät den Wunsch in sich wahrnehmen und ihm meistens auch nachgeben, sich die Kleidung der großen Schwester und/oder der Mutter nicht nur heimlich näher zu betrachten sondern auch anzuziehen.
Ob diese Behauptung mehr als nur eine "wissenschaftliche" Vermutung ist, ob sie gar auf hinterfragbaren statistischen Untersuchungen fußt - ich weiß es nicht - ich will den Forschern zutrauen, dass sie das richtig beschreiben -
aber ich kenne leider nur diesen sogenannten Fakt als schlichte Feststellung.

Dabei fällt mir auch auf, dass die fehlende Gegenfeststellung, dass Mädchen zumindest einmal den Drang in sich verspüren, etwas gleiches mit der Kleidung ihrer Brüder oder Väter zu unternehmen... - Und wenn ich diese beiden Bilder zusammen betrachte, kommen doch erst die m.E. richtigen Fragen und vielleicht auch die richtigeren Antworten.

    • Wenn es nicht alle Jungs / resp. Mädchen tun, warum nicht alle, wenn es alle tun, was also ist daran so auffälliges?
    • Wenn es überhaupt nur ein Phänomen der Jungs ist, warum kommt es nicht zu einem gleichen Interesse bei Mädchen?
    • Was ist so reizvoll an den Textilien der Damenwelt, dass die Textilien der Männerwelt sogar nicht einmal die Mädchen wirklich reizt?

 

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Und nun zu mir persönlich. Ich habe mehrere Erinnerung in dieser Sache an meine Zeit als 6-14jähriger (1955-1963):

    • Ich erinnere mich an eine Auseinandersetzung mit meiner Mutter, bei der es um die sogenannten Leibchen ging. Ich mochte sie nicht mehr tragen, und ich bilde mir ein, dass ich sie noch nie habe tragen mögen (vielleicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Kind sie jemals gerne anziehen mochte!) Die Wolle kratzte alleweil, oder der harte Stoff drückte auf den hervorstehenden unteren Teil des Brustkorbes; oft genug war es mir darunter auch zu warm. Und dann muss ich irgendwann mal gesagt haben, dass ich dann lieber sowas anziehen wollte, wie sie (die Mutter) auch anzieht. Meine Erinnerung sagt mir, dass ich mir dann eine flotte Ohrfeige eingefangen hatte - ohne genau zu wissen, was für einen Grund es dafür gab. Denn die Erinnerung sagt mir nichts von einem heimlichen Fühlen oder gar Anprobieren. Nein, ganz anders ist in der Erinnerung der patzige Widerspruch: dass es nun mal kratzt! - es ging nicht ums "schön" aussehen oder um ein peinliches Bekleidungsstück.
    • Eine andere Erinnerung siedelt sich bei mir bei in der Grundschulzeit an (wobei die Erinnerung sich diffus mit einem konkreten Haus und Raum verbindet, darum die Zeitbegrenzung) Ich musste meiner Mutter beim Wäsche-reinholen helfen und da waren auch Miederteile von ihr in der Zinkwanne. Und die Erinnerung stellt sich im Rückwärtslaufen vor: Ein dicker Anblaffer, ich sollte meine Finger von den Sachen lassen, das gehörte sich nicht. Dabei war es nur ein Bestaunen den glatten Struktur des gesamten Gegenstandes - ich weiß nicht mal was es genau war - aber ich weiß noch gleich wurde das oder die Teile nach ganz unten unter die andere Wäsche versteckt. Röcke, Kleider, Hemden, alles war kein Problem, beim Strammziehen der Tisch- u. Bettwäsche musste ich sogar anfassen und ich stellte mich angeblich sogar "zu dumm dafür" an.
    • Wieder eine Weile später, das kann noch Grundschule gewesen sein oder höchstens 5te Klasse: Ich soll aus dem Kleiderschrank (auch den habe ich als komplettes Bild noch gut vor Augen!) etwas ganz bestimmtes holen - den genauen Gegenstand weiß ich nicht mehr - jedenfalls weiß ich noch, wie ich aufeinmal fürchterlich erschrocken bin, als mich meine Mutter anmacht, was ich an Ihrer Wäsche zu suchen hätte...
    • Als viertes Erlebnis lässt sich schließlich dieses nennen: Ich muss etwa 11/12 Jahre alt gewesen sein, da entdecke ich in einem von unserer neuen Wohnung (in den ersten 15 Lebensjahren habe ich mich an sieben Wohnungen in vier verschiedenen Städten gewöhnen dürfen/müssen) zugänglichen Abstellraum sehr viele sogenannte "Altkleider" teilweise aufgehangen, oder in Kartons abgelegt. Welchen Reiz es ausmachte, sie anzuprobieren, habe ich nicht in Erinnerung, aber ich weiß, dass es nicht nur sogenannte Damenkleidung war, sondern auch sogenannte Herrenbekleidung  war - aber ich weiß, dass mir die Muster und die Stoffe für die Frauen und Mädchen sehr viel besser gefielen. Und ich habe auch die Miedersachen vor dem Auge der Erinnerung; auch die habe ich probiert. Aber sie passte eigentlich nicht, sondern es war der Wunsch nach Vollständigkeit.
      Und wieder bin ich zu naiv und lasse mich entdecken - obwohl mir spätestens in dem Alter bewusst war, dass ich mit diesem Handeln bei meinen Eltern dicken Frust auslösen würde.
      Doch das Verbotene löst noch mehr Reize aus und in diesem Zusammenhang muss das Verbotene ja einen besonderen Inhalt ausmachen, wenn es so verboten ist. Denn VOR der Entlarvung hatte ich mitbekommen, dass all die Sachen in dem Raum entweder an Bedürftige "von der Straße" vermittelt wurden, oder alle viertel Jahr mit einem Lieferwagen unsanft abgeholt wurden - alles in Säcke und Karton gestopft und auf die Ladefläche... also eigentlich Abfall!

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Warum trage ich Frauenkleidung? - das war die Anfangsfrage an mich selber! - Ich weiß, dass es nicht der Reiz des Verbotenen ist, der mich einige Zeit nach der Pubertät (ich finde keinen konkreten Zeitpunkt in der Erinnerung) dazu brachte. - Ich weiß, dass ich meiner Freundin (dann Verlobten, dann Ehefrau) einmal zu meiner eigenen Überraschung sagt: "Die Wäsche, und die Kleidung, die Du als Frau anziehen kannst, ist irgendwie körperfreundlicher."

  • Da ist eine angenehmes Angebot für die Hände: nicht nur feiner und weicher - was so auch nicht immer stimmt - sondern es ist mehr für die Finger zu spüren, die kleinen Muster oder Borte am BH. Es gibt auch weiche, anschmiegsame Männerwäsche, ungleich teuerer im Vergleich zur Damenauswahl aber, sie ist immer schlicht oder übertrieben affig gemustert, grad die Schnitte machen winzige Unterschiede aus.
  • Man schaue sich allein mal einen Versandhauskatalog an (ob aus den 70er, 80er usw-Jahren) es gibt zum Beispiel wesentlich mehr Damenslips und -Höschen, im Vergleich zur mageren Ausbeute für die Männerwelt.

Ich trage nicht diese Kleidungsstücke gern, weil ich provozieren will, - auch nicht weil ich sexuelle Lust darin spüre oder aufbauen will, - auch nicht weil ich anders sein will oder anders bin.
Früher habe ich sie nicht getragen, weil ich befürchtete, dass ich nach einer Entdeckung als "Krank" angesehen werden könnte. (so hatten es meine Eltern mir vorgehalten - mit dem Zusatz "Zwitter", wie ein Syndrom als Bedrohung)

Und wieder stelle ich die Gegenfrage:

    • Warum ist Frauenkleidung eigentlich Frauenkleidung, warum ist sie als Bekleidung für Männer mit einem Tabu und mit einer Aura der Obzönität belegt?
    • Warum wird beim "schmotz`gen Donnerstag" in der Fastnacht am Bodensee in den Festräumen Miederware (BHs, Hüfthalter, Korsetts) demonstrativ ausgestellt, auf die Leine gehangen? - gewissermaßen zur fröhlichen Obzönität für die anwesenden Gäste?
    • Warum ist es ein Tabu, den Vater in der Unterhose in die Wohnung oder im Garten zu sehen und zu erleben, aber wenn man die Mutter und/oder Schwester auch nur mit dem BH-bewehrten Oberkörper zwischen zwei Räumen in der Wohnung wechseln sieht, ist man das Untier, das sich zur Unzeit auf dem Weg blicken ließ.
    • Warum darf die Schwester oder Tante (oder wer auch immer auf der weiblichen Frontseite) meine Wäsche anfassen und ich muss schon mit meinen Augen einen Bogen um dieses Verbotene Gebiet machen...

Und ich merke, es gibt keine verbindenden Antworten, es sind zwei vollkommen verschiedenen Ebenen.

    • Ich kann seit vielen Jahren (etwa seit dem 17/18ten Lebensjahr) über diese Dummheit der Menschen lachen. Ich kann seit etwa 6-7 Jahren diese Unterkleidung dann undwann so ausgewählt tragen, wie es mir gefällt und ich lasse sie weg, wenn es mir nicht gefällt.
    • In meinen Augen wird mit dieser Tabu-Pflege etwas hohles aus irgendwelchen, grauen wilhelminischen Zeiten überkommenes bewahrt, was keiner wirklich benennen kann - oder kannst Du es?
    • Die Obzönität des Bekleidungsstücks ist in sich hohl und wertlos - es sei denn, es wird damit eine Angst beschrieben - die aber in dem Kleidungsstück nur ihren symbolischen Ausdruck findet. Dann sollte man vielleicht auch endlich mal die Angst benennen, damit sie aufgelöst oder verarbeitet werden kann. Die Verantwortung auf das Kleidungsstück zu übertragen ist humorlos und wirkungslos.

Für mich ist das, was auf dem Markt angeboten wird: Wäsche und Oberbekleidung, die mir zusagt und gefällt und/oder passen wird, die ich mir kaufen werde oder nicht... Mit der (Oberbekleidung) ich mich anderen Menschen gegenüber so präsentieren mag, dass sie mich als "ich bin ich" erkennen und anerkennen und wiedererkennen.

    • Ich mache bei der Auswahl der Unterbekleidung (seit Jahren) keine Kompromisse - weil ich keine Gründe dafür entdecken kann!
    • Bei der Auswahl der Oberbekleidung verzichte ich aus sozialen Gründen auf die leider noch nicht konformen Stücke, aber dafür habe ich den schlichten Männerkram mehr und mehr über Bord geworfen und ich entdecke so viele angebliche "unisex" Kleidungsstücke auf dem Markt, dass ich nur lächeln kann, wie doof die Männer (und vielleicht auch die Frauen?) sind. Denn viele dieser Unisex-Sachen sind ursprünglich (zwei drei Jahre zuvor) für die Frau vorgesehen gewesen (selten als erstes nur für den Mann) Und nun hängen sie als Partnerlook auf der Stange... - und das nimmt zu! - Sogar der Trend-Austausch zwischen "gestern noch für die Frau - heute für den Mann" (und umgekehrt) kann ich vermehrt beobachten. - [schmunzel - freu]
    • Und warum darf ich laut dem sozial immer noch abgesicherten Tabu-Gesetz als optischer Mann keinen BH tragem, obwohl längst die Größe 90B gut ausgefüllt wird. - als Gegenfrage bietet sich entlarvend an, warum zieht eine Frau sowas überhaupt an? - ich ziehe sowas an, weil ich mich darin wohler fühle, die zwar (noch) straffen Brüste sind einfach ruhiger und wenn die Brustspitzen sich straffen, fällt es mit einem BH (oder Corsett) am Körper nicht ganz so stark auf.
    • Und wenn ich abends nach Hause komme, freue ich mich manchmal [besonders an warmen und heißen Tagen] auch, wenn ich mich umziehen kann, weil mein Körper sich dann ohne wohler fühlt. - da geht es mir genauso wie anderen Menschen auch - andere Menschen, die man so selbstverständlich als "Frau" klassifiziert! - denen wird es zugestanden; bei Dir als Mann ist das schon ein Risiko.

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Das Leibchen

  1. Leibchen wurde ein Bekleidungsstück genannt, das aus fest gewirkter Baumwolle genäht oder aus Wolle (hand-) gestrickt war. Es wurde wie ein breiter Büstenhalter Kindern (Mädchen und Jungen) angezogen, um ihren Oberleib vor Kühle und Kälte zu schützen und somit Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Das Leibchen wurde (überwiegend) vorne geknöpft, besaß angenähte Träger - manchmal waren auch die zum Knöpfen (verstellbar)
  2. Ich kann mich daran erinnern, dass ich sie irgendwie schon vor der Einschulung nicht mehr gern trug, weil die mir zugedachten Dinger zu eng saßen und mich an einigen Stellen unangenehm drückten (rachitische Verformung des Brustkorbes). Ich weiß, dass auch meine (3+4Jahre jüngeren) Schwestern solch ein Teil tragen mussten - aber bei ihnen waren sie schneller abgesagt (Zeiterscheinung?)
  3. Am Rande vermerkt: Meine Anfälligkeit für alle Formen von Atemwegserkrankungen hatte dieses schon in der Zeit als Kind nicht verhindert - ganz zu schweigen von de Verdacht, dass es sich dabei wirklich nur um eine insgesamtz törichte Erfindung handelte.

http://www.spratte.de/images/pfeil_blau.png