androgyn und gynandrisch
Auszug aus dem Wortwechsel
den ich in einem Forum führte

 

    Liebe xyz!

    Ich schreibe Dir das Folgende nicht deshalb, weil ich Dich lehrmeistern und mich selbst großartig fühlen will. Es ist vielmehr deshalb, weil ich mich selbst in der betreffenden Hinsicht sehr unsicher fühle und deshalb darauf angewiesen bin, daß ich klare Begriffsbildungen zur Verfügung habe.  Du hast geschrieben: "Also ich bin - oder doch... wollte gerade schreiben: Kein androgyner Typ." In meinem Lexikon habe ich folgendes gefunden:

    • "Androgynie" = Männlichkeit mit weiblichen Merkmalen.
    • "Gynandrie" = Weiblichkeit mit männlichen Merkmalen.

    Ich habe mir deshalb folgendes zurechtgelegt: Ein androgyner Mensch ist stets ein männlicher, also ein Bub oder ein Mann. Ein gynandrischer Mensch ist stets ein weiblicher, also ein Mädchen oder eine Frau.

    Ich würde mich selbst als androgyn einstufen, und zwar ein bißchen im körperlichen Bereich und stark im psychosozialen Bereich. Eines meiner großen Probleme ist, daß ich psychosozial androgyn bin, aber stets als männlich leben mußte. Ich brauche einen Weg, um endlich seelisch androgyn leben zu können.

    Wenn Du weiterhin den Ausdruck "androgyn" im Zusammenhang mit Frauen gebrauchen willst, ist das selbstverständlich in Ordnung, aber ich verbinde mit diesem Wort stets einen männlichen Menschen.
    Nichts für ungut - Ciao dein

 

Antwort: Definiton von "androgyn"  

    hallo!

    ich habe die Begriffe "psychosozial androgyn" und "seelisch androgyn" noch nicht gehört - was bedeuten sie ? ich verbinde den ganz allgemeinen Begriff "androgyn" mit Männern -  aber nicht unbedingt solche die groß weiblich wirken, sondern ich dachte immer daß ganz viele verschiedene Möglichkeiten unter den Hut "androgyn" passen natürlich sehe es nicht als "Störung" oder als "in irgendeiner Form kindheitsbedingt", sondern daß es eben - in den meisten Fällen -  einfach das Naturell desjenigen ist. (ich weiß nicht in wievielen Prozent der Fälle - ist auch egal)

     tja... "androgyn" - was heißt das (für mich)?
    ... na, es heißt daß man 'n bissel Make-Up trägt, oder vielleicht Nagellack oder so - aber ich verbinde beides gleich *von vornherein* nicht unbedingt mit Frauen ich trage zuweilen Make-Up, könnte vielleicht auch Nagellack tragen (aber wenn dann wohl Schwarzen) [ich sehe Schwarz im allgemeinen *nicht* als irgendwie "negativ" oder "die dunkle Seite des Lebens repräsentierend"] - doch ich fühle mich dabei sehr männlich, wirke auch so (vielleicht ... du kennst doch vielleicht Ville Valo, den Sänger der bekannten finnischen Rock-Band HIM - zuweilen Make-Up und dennoch 'n richtiger Kerl ... und ich glaube so ungefähr trifft das auch auf mich zu) aber ... andere Leute verbinden sicher wiederum was anders mit "androgyn"

Antwort: androgyn und gynandrisch  

    Lieber, so habe ich noch nicht nachgedacht. Aber in der Umgangssprache hat sich das Wort androgyn schon auch in Bezug auf Frauen eingeschlichen. Ich denke, wir haben alle männliche und weibliche Anteile. Ich habe mir nur angwöhnt, wie ein Mann zu denken, weil es (mein Vater) eben mal mein größtes Vorbild war. Ich bin nie "zickig" oder sowas, was man Frauen gern zuschreibt. Und mein Körper ist natürlich der einer Frau. Ich rede oft mit Händen und Füßen... laufe manchmal durch die Gegend, als ob ich schweben würde und kann trotzdem mit beiden Beinen im Leben stehen. Früher sollte ich dauernd kurze Haare tragen. Nun könnte ein Spitzfindiger sagen: Siehste, Papa hatte wohl auch homoerotische Anteile... Ist aber nicht so.
    Papa liebte damals die "modernen Frauen". Die rauchenden, trinkenden, kurzhaarigen... Wohl in den Zwanzigern entstanden, aber in die Dreißiger noch hinüber gerettet. Im weitesten Sinne ist es vielleicht dann doch auf Gleichgeschlechtliches zurück zu führen... Aber muss man sooooooo weit gehen? Vielleicht habe ich Probleme, meine weiblichen Anteile zu leben. Dazu müsste ich aber anschmiegsamer sein, mich -ergeben- können u.s.w. Aber ist das die heute -moderne Frau-? Also die Männer hätten es vielleicht manchmal gerne. Aber nicht immer!
    In typisch weiblicher Kleidung finde ich mich "verkleidet". Aber ich konnte das schon nutzen, um mich zu verkleiden. Ich verkleide mich sowieso, wenn ich will. Als junges Mädchen habe ich rebelliert. Ich wollte sogar auf Hochzeiten keine Kleider tragen. In den Siebzigern stieß man da noch auf große Kritik. Heute spiele ich die gesellschaftlichen Spielchen eben mit. Ansonsten reicht mir eine Jeans und Pulli. Ich habe auch jahrelang mich gegen das Tragen eines BH´s gewehrt! Bis ich so ein Ding nicht mehr ertragen konnte... auch wenn ichs wollte. Als ich nach jahrelanger Ehe endlich mal meinte, ich müsste vielleicht doch mal weiblichere Unterwäsche tragen, hat mein Mann sich über mich lustig gemacht! Gut, dann waren wir auch bald geschieden. Ich habe, oder hatte viele Gesichter. Jetzt rausche ich ins Klimakterium... und keiner merkts! Ich merke es höchstens.
    Natürlich zieht man als bestimmter Typus ganz bestimmte Menschen an. Aber da kann ich mich äußerlich verändern, ich bleibe so, wie ich bin. Und merkwürdigerweise bekomme ich als Frau immer Aufmerksamkeit, sehe ich richtig scheiße und krank aus! Da riechen Männer die Schwäche... Frau ist wehrlos. Vielleicht betrachte ich das jetzt etwas böse... Aber ich empfinde das so. Oder ich bin so einfach ICH ohne Masken und Abwehr(in diesen Momenten empfinde ich mich selbst als absolut weiblich). Sowas scheint hochinteressant zu wirken. Als ob ich einen Heiligenschein, oder eine Aura mit mir rumtrage...
    Ja, das ist alles kompliziert.
    Du hast für mich - im Schreiben jedenfalls- etwas ganz typisch männliches. Das ist ja immer so, sieht man jemanden nicht, entsteht nur ein eindimensionales Bild. Aber ich bin mir sicher, dass diese Dimension trotzdem stark ausgeprägt ist. Vielleicht siehst du dich selbst ganz anders, als andere Menschen dich sehen. Es ist immer schwierig, jemanden danach zu fragen. Man könnte etwas hören, was man nicht möchte... Aber mir geht es mit meinem Partner ähnlich. Manchmal ist er für mich furchtbar männlich - und dann attraktiv (was immer ich unter Männlichkeit verstehe). Gelegentlich hat er aber Verhaltensweisen, die mich stark an Frauen erinnern- und so mag ich ihn nicht. Aber das ist mein ganz persönliches Problem. Er wird das nicht so sehen! Wahrscheinlich laufen bei mir in diesem Moment nur Projektionen ab. Aber ich glaube, von diesen Vorlieben - vorsichtig ausgedrückt- können wir uns schlecht trennen. Da liegt die Gefahr, sich in einer Analyse dermaßen zu zerpflücken, dass man daraus dann nichts erfreulich Neues machen kann. Es ist aber so, dass Gegensätze sich schon anziehen. In der Evolution hatte das ja auch seine Gründe, weil Unterschiede dann doch den Erhalt der Spezies gewährleisteten. So muss es wohl in Partnerschaften auch alles passen. Und wenn nicht jeder 50/50 % Anteile hat... dann treffen sich die 20/80% . Und wenn die Konstellation dann bei Beiden 20 weibl. 80 männl. ist... dann ist irgend ein Ärger mal vorprogrammiert. Was sich zuerst als "ähnlich" sympathisch ist, kann später zu großen Problemen führen. Na ja, bin ja keine Wissenschaftlerin, aber vielleicht verstehst du, wie ich das meine. Und wenn sich ein Partner dann noch verändert, dann passt irgendwann nichts mehr... Ich würde jedenfalls einem Mann immer empfehlen, seiner Natur gemäß zu leben. Aber auch da kenne ich mich nicht aus. Ich weiß nicht, wie groß ein Druck ist, oder wodurch er ensteht, wenn Männer, oder auch Frauen lieber ein anderes Geschlecht hätten. Es wäre vielleicht einfach, läge die Erklärung in der Erziehung und Psychologie. Aber ich denke, da gibt es sicher auch genetische Gründe. Und da käme dann die Frage, den Körper der Psyche anzupassen, oder die Psyche dem Körper?
    Ich hätte jedenfalls kein Problem, gäbe es nur noch Männerklamotten, oder wären die Männer in der Überzahl... ich bliebe doch Frau. Vielleicht fühle ich mich in der Männerwelt geliebter? Aber in einer Frauenwelt hätte ich sicher Probleme! Obwohl ich auch gerne mit Frauen zusammen bin. Meistens mögen die, dass ich die Männer immer "anziehe" so profitieren sie davon- Und das macht mir auch Spaß. Wenn alle glücklich sind, bin ich doch zufrieden!
    Ich weiß, was die Jungs hören wollen. Fußball, Autorennen, Motorräder... u.s.w. Und wenn ich dann keine Lust mehr auf sowas habe, gehe ich. Und hatte einen netten Abend. Und früher, als ich Single war, habe ich mir dann gelegentlich einen der Herren mitgenommen... War zwar am nächsten Tag blöd. Aber wenn ich Sex brauchte, wollte ich die Kerle ja nicht ewig am Hals haben. Denken so Männer?
    Also ich glaube, die haben es sogar einfacher im Leben! Und ich kann auch noch in der Frauenliga mitspielen... Nicht mehr lange, meine biologische Uhr tickt äußerst schnell... Aber ich habe eigentlich alles irgendwie gelebt. Ich will jetzt nur noch ein Zuhause. Vielleicht ist das der schwerste Part. Ich bin immer gern weggelaufen. Glaubte mich zu finden... Dass das das wahre Leben ist, habe ich erst spät kapiert. Und dass ich mich nicht finden muss, weil ich ja -bin- kam auch später... Ich kann mich so akzeptieren. Möchte vielleicht heute mehr Akzeptanz von außen. Will nicht mehr so viele Spielchen treiben. Aber wenn ich aufgefordert werde und es ist wirklich schön, spiele ich doch mal gerne noch eine Runde mit...
    Ja, so denken manche Frauen eben auch. Da kann der äußere Schein schon mal arg täuschen. Für mich hat das aber nichts mit Boshaftigkeit zu tun- Das Leben ist eben manchmal ein wenig verrückt. Herzliche Grüße, Tschüs Deine

 

 

 

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