...sondern ich nutze sie - schon lange - gerne auch für andere

    © CHRIStel 2004

    Beispiel Nummer 1:  Dez. 1986 - unser erster Besuch in der DDR. Ich wollte unbedingt für interessierte Jugendliche u. junge Erwachsene (alle über 17 Jahre) aus meinem Arbeistumfeld Kontakte zu gleichalztrigen Menschen in der DDR knüpfen. dazu haben meine Frau und ich auf wirklich so abenteuerliche Weise eine Verwandtschaft zu einer uns bis dahin vollkommen unbekannten Familie konstruiert (Ausgangspunkt war eine WESTadresse) und als die Verwandtschaft per Brief besiegelt war, stellten wir im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs einen mehrtägigen Einreiseantrag, der erstaunlich schnell genehmigt wurde.

    Und dann gleich noch die Freiheit Nummer 2: Wir reisten mit dem Zug über Büchen ein - mit dem D-Zug bis Schwanheide, dann umsteigen in einen zwei Stunden später weiter fahrenden Bummelzug. Wir hatten also Zeit und das wussten die "Grenzorgane" auch und für nur sechs UMSTEIGER, zwei Wessis (also wir) und vier DDR-Staatsbürger ließ man sich viel, ganz viel Zeit, wir waren in der "Schlange" die letzten. Im engen Gang hinter mir schnitt den "Fluchtweg" ein zweibeiniges uniformiertes Organ ab - genau einen Schritt hinter mir. - Dann waren wir die Pässe los und wieder drei Schritte weiter. Er hinter mir auf fast Tuchfühlung hinterher. - Das nervt! - Ich denke mir: "Dir Aas kriege ich!" - drehe mich unvermittelt um - er geht prompt drei Schritte zurück und ich spreche ihn genauso unvermittelt an: "Was mich interessiert ist, zu welchem Aufgabenbereich gehören Sie eigentlich jetzt, Zollkontrolle oder Passkontrolle?" - Grrrr, das Gesicht sprach Bände - Ratlosigkeit pur. - Er sah mich nur noch kurz an und ging dann den Gang zurück und ward nicht mehr gesehen - die Antwort allerdings blieb er mir auch schuldig!

    Und meine Freiheit kennt keine Grenzen - zehn Meter weiter - Nummer 3: Erkennbar die Zollkontrolle. Je eine Tasche, die wir beide dabei haben müssen wir auspacken - GANZ UND GAR - es könnte ja ein Agent im Kaffee sein, darum durch den Röntgenkasten... - ich muss meine über der Schulter hängende Fototasche auspacken - von der Canon T70, von den Objektiven alle Deckel ab, den Kugelschreiben auseinandernehmen, usw. - die beiden Diensttuenden erfüllten sämtliche Vorurteile, obwohl mir gar nichts daran lag. Und dann: "Sie können alles wieder einpacken!" - man schaut mir dabei zu, wie ich wieder zusammenschrauben, abdecken, einwickele... spricht mich der eine in einem ganz anderen Tonlage an: "Was kostet denn dies alles da?" - nun gut, ich erwarte auf gestellte Fragen auch eine Antwort, was hindert mich, darauf einzugehen? "Ich muss erst mal nachdenken, kann sein, so um 400-500 Mark, aber bedenken Sie, das ist schon so um drei Jahre alt, vielleicht mag es auch nur noch die Hälfte wert sein...!" - "Ach, mehr nicht?! und was machen sie damit? Sind Sie Reporter oder sowas?!" - plänkel, plänkel, er beugt sich immer tiefer zu der Tasche und nimmt das Teleobjektiv in die Hand, staunt über das geringe gewicht - aber dann auf einmal ZACK, als wenn ein Blitz durch ihn gefahren ist, stellt er sich senkrecht hin, gibt mir das Objektiv in die Hand und verschwindet unvermittelt hinter einer Tür, sein sichtlich konstanierter Kollege hinterher. - Das war ein Patzer, und da hatte jemand noch grad so die Kurve gekriegt - persönlich orientiertes Gespräch mit Kunden, - aber es war sicherlich auch nicht im Sinne des Erfinders (Miehle & Co.) uns dann ganz allein in dem Abfertigungsraum zu lassen - und wir ließen uns Zeit, denn die hatten wir ja immerhin!